Montag, 16. Februar 2009

ein sturz ins leere

österreich leidet am liebsten an sich selbst und dieses masochistische leid, so scheint es, ist dem kritiker und der kritikerin antrieb und bremse in einem. sie können nicht kritisieren und zugleich zeigen, dass es auch anderes geht. insofern hat der österreicher schuh einen ganz und gar unösterreichischen text verfasst und fiel daraufhin prompt in ein loch: es ist doch niederschmetternd wie echolos diese seitenlange analyse im blätterwald verhallte! wo sind all die journalistInnen, medienmenschen, intellektuellen, studentInnen, kritische geister, all die autorInnen, philosophInnen, nachbarn und gedankenhaberInnen wenn es nur darum geht, einen scheit nachzulegen, die debatte am lodern zu halten? erzählt uns doch, dass dieser text scheiße ist, aber bitte vergesst nicht auch hinzuzufügen warum, fühlt euch doch bestätigt, whatever, aber macht es so, dass es der „gegenmeinung dabei hilft sinnvoll zu sein“.

ich würde ja nicht nur der krone, sonder auch dem falter eine „sozialpsychologische entlastungsfunktion“ zusprechen. da können sich die, die anders sind vergewissern, dass sie es auch sind. hierzulande ist die fallhöhe der meinungen außerordentlich hoch. vereinfacht gesagt ist es presse gegen standard, krone gegen falter oder falter gegen presse. dazwischen ist vakuum, ein sturz ins leere. in diesem schwarz und weiß definieren nicht nur wir uns als leser, sondern da scharen sich auch magnetisch die meinungen wie die mücken ums licht. zwischen den personifizierten lagern kann es dann logischerweise keinen übertritt geben, ja da wird nicht mal der finger zur messung der wassertemperatur des gegenüberliegenden beckens ausgestreckt. adorno hielt es unangemessen für eine/n intellektuelle/n in einer diskussion partout recht haben zu wollen. das freie mandat gehört aber überhaupt erst einmal angewandt. zugegeben: ohne risiko ist es nicht. wahrscheinlich bin ich der erste engstirnige, der sich aufregt und deswegen gleich sein abo kündigt. oder aber einen leserbrief schreibt.

Die Qual der Verposung zu entgehen

Franz Schuh publizierte im "Datum" 01/09 folgenden Kritik an der österreichischen Medienlandschaft. http://www.datum.at/0109/stories/5398639
Franz Schuh zu lesen hat mir noch nie wirklich Freude bereitet. Zu wenige Ausrufe "Ja verdammt, genau so ist es!", entlocken mir seine Texte. Nichts davon ist an mir hängen geblieben, und auch diese "monologischen Passagen aus einem Gespräch mit einem deutschen Journalisten" packen mich nicht an der Gurgel. Seit Tagen quält mich der Text mit Manierismen ("die Ferne ermöglicht die Illusion..."), undurchschaubaren Beschreibungen ("...absurd allein gelassenen Menschen") und sonst noch so einigem. Aber noch immer ist er kein Klopapier, noch immer liegt er neben mir und ich arbeite an ihm. Und je länger er mich quält desto lustvoller wird diese Qual. Darin hab ich seine Qualität entdeckt.
Ein Kommentar im "Standard" vor kurzem handelte davon, wie schlecht bzw. harmlos der österreichische Journalismus gegenüber der Rechten (ich hasse dieses Wort - aber hier weiß man wer gemeint ist) in diesem Land ist. Der österreichische Journalist begnügt sich damit, Haltung zu zeigen. Es ist politischer Grundkonsens in der zivilisierten Welt, dass man nicht so sein darf wie es die FPÖ ist. Unsere Aufgabe ist es, diesen Konsens als Banner vor uns herzutragen wenn wir gegen diese Nazibrüder in die Schlacht ziehen. Wir müssen sie als das hinstellen, was sie sind. Das ist unser Auftrag. 30 % der Wähler ist des wurscht.
Vielleicht mein Franz Schuh ja das, wenn er von einer Verposung der Meinung spricht. Vielleicht hat der österreichische Journalist ja Angst davor Antworten auf seine Fragen zu bekommen. Als Zeitungsleser in Östereich kann ich mir die Zeitung zu meiner Meinung ausuchen. Wenns so schön wäre, in den meisten Fällen sucht sich die Zeitung die Meinung aus.
Der Text von Franz Schuh quält mich vielleicht deshalb so, weil er mir nichts zu verkaufen hat. Weil dieses "Ja genau so ist es" fehlt. Schön.