dieses intro ist nur aus gegebenen anlass, weil ich kürzlich etwas tiefer in ein paar blogs hineinschnüffelte und ob der möglichkeiten des web 2.0; sei es jetzt die organisation des widerstands im iran, die licherkette um das parlament, die enzi rebellion oder die grünen vorwahlen, beeindruckt bin. es gibt natürlich einige die sich in zynischen pragmatismus (žižek) üben und diese initiativen müde abwinken. mag ja alles auch letztendlich nicht fruchten bzw. dem gewünschten ziel nicht näher kommen helfen, aber soviel mobilisierung und demokratisierung habe ich, da es vor allem einzelne ohne parteiapparat oder organisation im rücken betrifft, noch nicht erlebt. blogs spiegeln viel mehr eine persönliche sicht wieder, als dies je ein kommentar einer zeitung tun könnte. hinter letzterem steht ja mit der politischen ausrichtung der jeweiligen zeitung, eine zwar nicht dezidiert ausgedrückte, dafür aber seitens der journalisten um so sklavischer eingehaltene inhaltliche richtschnur des denkens. blogger sind sich nur selbst verpflichtet, sie müssen sich auch nicht an eine fix vorgegebene wörteranzahl halten, sondern werden im gegenteil, da man sich in seiner freizeit wohl nur mit dingen beschäftigt, die einen wirklich interessieren, sich in ziemlicher detailtiefe mit einem thema auseinandersetzen. dieses „ich tu’s für mich selbst“ kann fast schon als ein garant für qualitätsvolle texte gelten. dass es auch hierbei schrott der übelsten sorte geben wird ist natürlich klar, aber ich würde die chance eines gehaltsvollen und interessanten beitrags im blogbereich aus den beschriebenen gründen nicht niedrig einschätzen. auch wird hier ein bruch mit dem gängigen informations- und veröffentlichungsmonopol vollzogen. zeitungen, zeitschriften, bücher oder die uni; das waren und sind gängige medien und plattformen, die aber viele ausschließungs- und diskriminierungsmechanismen mit sich bringen. die akteurInnen des web 2.0 sind aber per se vernetzt und offen. sie können neuigkeiten auch sofort verarbeiten, während zeitungen logischerweise immer einen gewissen vorlauf benötigen werden. die durch die monoplisierung entstandene wand zwischen journalistIn und leserIn existiert im web.2.0 nicht. natürlich kann man auch im standard posten, aber bei einem persönlichen blog ist es viel wahrscheinlicher, dass der/die autorIn persönlich antwortet. in ihrer subjektivität können bloggerInnen paradoxerweise mehr „objektivität“ erzeugen, als das manchmal bei einem zeitungsartikel der fall ist. ein text zu einem beliebigen thema wird ja auch immer erst durch die anschließenden kommentarposts vervollständigt. wir erhalten so hinweise, ergänzungen und widersprüche, die ein runderes oder meistens komplexeres bild der realität zeichnen, als dies der artikel für sich allein genommen je könnte. trotz alldem vorgebrachten teile ich nicht die pessimistische sicht vieler web 2.0 aktivisten, was die zukunft von print angeht. deren argumente haben oft etwas anachronistisches an sich. eine anachronismus allerdings, der sich auf die zukunft bezieht und der schon die schallplatte hat sterben lassen. aber nur weil print alt ist, wird es sicher nicht marginalisiert werden. beim anfänglich beschriebenen gänseblümchenblattzupfen sind ja auch beide möglichkeiten wahr.
Montag, 6. Juli 2009
wir bloggen – wir bloggen nicht
dieses intro ist nur aus gegebenen anlass, weil ich kürzlich etwas tiefer in ein paar blogs hineinschnüffelte und ob der möglichkeiten des web 2.0; sei es jetzt die organisation des widerstands im iran, die licherkette um das parlament, die enzi rebellion oder die grünen vorwahlen, beeindruckt bin. es gibt natürlich einige die sich in zynischen pragmatismus (žižek) üben und diese initiativen müde abwinken. mag ja alles auch letztendlich nicht fruchten bzw. dem gewünschten ziel nicht näher kommen helfen, aber soviel mobilisierung und demokratisierung habe ich, da es vor allem einzelne ohne parteiapparat oder organisation im rücken betrifft, noch nicht erlebt. blogs spiegeln viel mehr eine persönliche sicht wieder, als dies je ein kommentar einer zeitung tun könnte. hinter letzterem steht ja mit der politischen ausrichtung der jeweiligen zeitung, eine zwar nicht dezidiert ausgedrückte, dafür aber seitens der journalisten um so sklavischer eingehaltene inhaltliche richtschnur des denkens. blogger sind sich nur selbst verpflichtet, sie müssen sich auch nicht an eine fix vorgegebene wörteranzahl halten, sondern werden im gegenteil, da man sich in seiner freizeit wohl nur mit dingen beschäftigt, die einen wirklich interessieren, sich in ziemlicher detailtiefe mit einem thema auseinandersetzen. dieses „ich tu’s für mich selbst“ kann fast schon als ein garant für qualitätsvolle texte gelten. dass es auch hierbei schrott der übelsten sorte geben wird ist natürlich klar, aber ich würde die chance eines gehaltsvollen und interessanten beitrags im blogbereich aus den beschriebenen gründen nicht niedrig einschätzen. auch wird hier ein bruch mit dem gängigen informations- und veröffentlichungsmonopol vollzogen. zeitungen, zeitschriften, bücher oder die uni; das waren und sind gängige medien und plattformen, die aber viele ausschließungs- und diskriminierungsmechanismen mit sich bringen. die akteurInnen des web 2.0 sind aber per se vernetzt und offen. sie können neuigkeiten auch sofort verarbeiten, während zeitungen logischerweise immer einen gewissen vorlauf benötigen werden. die durch die monoplisierung entstandene wand zwischen journalistIn und leserIn existiert im web.2.0 nicht. natürlich kann man auch im standard posten, aber bei einem persönlichen blog ist es viel wahrscheinlicher, dass der/die autorIn persönlich antwortet. in ihrer subjektivität können bloggerInnen paradoxerweise mehr „objektivität“ erzeugen, als das manchmal bei einem zeitungsartikel der fall ist. ein text zu einem beliebigen thema wird ja auch immer erst durch die anschließenden kommentarposts vervollständigt. wir erhalten so hinweise, ergänzungen und widersprüche, die ein runderes oder meistens komplexeres bild der realität zeichnen, als dies der artikel für sich allein genommen je könnte. trotz alldem vorgebrachten teile ich nicht die pessimistische sicht vieler web 2.0 aktivisten, was die zukunft von print angeht. deren argumente haben oft etwas anachronistisches an sich. eine anachronismus allerdings, der sich auf die zukunft bezieht und der schon die schallplatte hat sterben lassen. aber nur weil print alt ist, wird es sicher nicht marginalisiert werden. beim anfänglich beschriebenen gänseblümchenblattzupfen sind ja auch beide möglichkeiten wahr.
Montag, 29. Juni 2009
Die große Wendung…
Donnerstag, 4. Juni 2009
anlassgesetzgeber vs. überzeugungstäter
Freitag, 29. Mai 2009
Martin Grafs Wahl war ein Fehler - seine Abwahl wäre der nächste ...
Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken
Donnerstag, 28. Mai 2009
gegen rechts
1.es ist nie zu spät für eine aufgearbeitete vergangenheit. jeden tag lassen sich entscheidungen treffen, wie eine abwahl grafs nach gesetzesänderung, mit denen man in diese richtung zeichen setzen kann und wenn man vorher noch so heuchlerisch agiert hat.
2.karlheinz kopf sagt man solle diese themen nicht so emotionalisiert hochspielen, dass nütze nur der fpö. das ist lachhaft und zirkulär argumentiert. solange es keine reaktion gibt, signalisiere ich ja, dass ich einverstanden bin und provoziere noch dazu weitere entgleisungen.
3.diese ständige unsicherheit, die einen schreien nach einer reaktion des bundespräsidenten, die anderen wiegeln nüchtern ab, zeigt doch wie wenig aufarbeitung der vergangenheit es gegeben hat und wie schlecht es deshalb um das selbstbewußtsein dieses landes bestellt sein muss.
4.der kampf gegen rechts, das veranschaulicht diese causa erneut, darf sich nicht mit den offensichtlichen gegnern zufrieden geben. schlimmer fast noch als fpö sind die stillen dulder und konformisten, also die zwei „groß“parteien, die einer ursprünglich kleinen minderheit zum aufstieg verhelfen.
5.die verdrängung hat durch die sanktionen der eu im jahr 2000 unbeabsichtigt ein kongenialen partner bekommen. nicht wir haben schließlich die grenze gezogen, es waren wie im fall waldheim andere, die die aufarbeitung der vergangenheit für uns übernommen haben, was wir ihnen niemals verzeihen werden.
6„Aber Demokratie hat nicht derart sich eingebürgert, daß sie die Menschen wirklich als ihre eigene Sache erfahren, sich selbst als Subjekte der politischen Prozesse wissen....Weil die Realität jene Autonomie, schließlich jenes mögliche Glück nicht einlöst, das der Begriff von Demokratie eigentlich verspricht, sind sie indifferent gegen diese, wofern sie sie nicht insgeheim hassen.... Die, deren reale Ohnmacht andauert, ertragen das Bessere nicht einmal als Schein; lieber möchten sie die Verpflichtung zu einer Autonomie loswerden, von der sie argwöhnen, daß sie ihr doch nicht nachleben können, und sich in den Schmelztiegel des Kollektiv-Ichs werfen.“ (Adorno)
Montag, 25. Mai 2009
gedanken zu faymanns reaktion auf strache
Mittwoch, 20. Mai 2009
in aller klar- und deutlichkeit
and now to something completely different. folgende these: faymann und pröll unterscheiden sich in ihrer rethorik grundlegend von vorhegenden kanzlern und deren vizes. wenn wir nur an die duos gusenbauer/molterer, schüssel/gorbach, schüssel /haupt oder vranitzky/busek denken, dann können wir diesen politikergespannen einiges, aber sicherlich nicht sprachliche verwechslungsgefahr vorwerfen. faymann/pröll hingegen pflegen denselben duktus und hegen dieselbe inhaltsleere. nun sind wahrlich auch worthülsen bei politikerInnen nichts neues, neu aber hingegen ist, dass beide auf die gleich art nichts sagen. sogar der slicke grasser hat auf fragen nicht mit handfestem, wie, huch, konjunkturdaten oder statistiken gegeizt. faymann und pröll lieben beide elendslange aufzählungen und tautologische exzesse. während die aufzählungen durch bloßes name dropping erfolgreich tiefergehendes vermeinden, füllen die nicht ganz lumpenreinen tautologie-artigen gebilde schön jede rede aus. beispiel ausschnitte aus faymanns rede wegen der krise: …eingestehen wird und eingestehen muss…; …plötzlich nicht funktioniert oder zusammenbricht…; kurz dauert…nicht jahrelang dauert…sondern nur einen kurzen zeitraum, exporte zu leisten…in andere länder zu liefern… oder pröll beim eu wahlkampfauftakt: …engagement und tatkraft zu zeigen…;…ganz klar und deutlich…; ist das..war das und wird das auch sein, …können wir aufbauen…auf dem bauen wir auf… usw. dass faymann strache als schande und hassprediger bezeichnete, sind die ausnahmen, die folgende regel zu bestätigen scheinen: kein lärm um nichts.
Sonntag, 10. Mai 2009
...und verschlossenen Augen
Ottomeyers Analyse zu Jörg Haider hält einige Erklärungsmöglichkeiten für ein Phänomen bereit, dass sich einfach nicht vollständig erklären läßt. So ist es einfach, ständig neue Theorien werden schlussendlich den postmodernen Politiker entgültig der Belanglosigkeit zuführen. Gut so.
Donnerstag, 23. April 2009
hinter verschlossenen türen
protest à la österreich: monatelanges ankündigen und dann nichts. übrig bleiben unzählige interviews wo dem konjunktiv gehuldigt wurde: was würde passieren wenn die lehrerInnen streiken…; wie täten sie reagieren wenn… so viel heiße luft war noch nie. laut ögb statistik wird das jahr 2003 mit über 10 millionen streikstunden als rekordjahr verbucht, während 2001, sowie 2005 bis 2007 keine einzige minute die arbeit niedergelegt wurde. auch das so „starke“ jahr 2003 kommt nur auf matte 3 stunden streik pro arbeitnehmerIn. der verhandlungsweg ist nach ögb sprech der richtige und streik wird implizit als versagen abgetan, obwohl man sich sonst gerne kämpferisch in pose wirft. „hinter verschlossenen türen“ soll ausverhandelt und dann mit einem glorreichen kompromiß an die öffentlichkeit gegangen werden. kennen die ögbler nicht die geschichte vom umgefallenen baum im wald, der aber nicht gefallen ist, weil es keiner gehört hat? was sind ergebnisse wert, die nicht in der öffentlichkeit unter dem einsatz aller erreicht wurden? die jahrzehntelange einbindung der sozialpartnerschaft als nebenregierung hat zivilcourage und streikwillen in österreich sukzessive abgetötet.
die lehrer hätten streiken sollen, damit dass, was nicht zu ende gedacht, zumindest zu ende getan wird. stellen wir uns vor: 2 wochen streik und alle gehen hin. was in dieser zeit, sowohl auf der straße, als auch in den medien, als auch im minisiterium debattiert werden würde, hätte uns wohl eher eine echte thematische auseinandersetzung und nicht den befürchteten stillstand beschert. aber das wollte ja niemand.
Samstag, 11. April 2009
hase und igel
in klaus ottomeyers buch „jörg haider – mythenbildung und erbschaft“ wird haiders anziehungskraft versucht psychologisch zu erklären. der autor ist selbst sozialpsychologe und psychotherapeut in kärnten und kann viele erlebnisse so aus erster hand berichten. innerlich hab ich da erst einmal die nase gerümpft, weil ich doch nach einer wasserdichten erklärung ausschau hielt, so naiv und schlichtweg unerfüllbar dieser wunsch auch sein mag, also geschichtliche tatsachen, statistiken, gerichtsurteilen usw. suchte und keine lust hatte mich auf „psychologisieren“ und interpretationen einzulassen. nach der lektüre des buches bleibt aber nur der schluß übrig, dass vor allem wenn es um fragen der macht, von blindem gehorsam und gefolgschaft gegenüber eines „führers“ oder um verdrängung von allzu offensichtlichem geht, die psychoanalyse eine sehr sinnvolle, ja notwendige erweiterung der politikwissenschaft darstellt. im prinzip ist der fall a priori ja rational nicht zu erklären, wir stehen vor aktionen wie der saualpe, deutlichen analogien zu sprache des dritten reiches (wahlplakat des bzö zu gemeinderatswahlen in graz: „wir säubern graz") und vor fakten wie denen, dass die landesschulden pro kärnterIn 4000 € betragen, dass es seit über 2 jahren keinen rechnungsabschluß für das budget kärntens gab und dass da einer seine position als landeshauptmann untolerierbar (haider in der disco „tollhaus“ allzunah mit jungen burschen alkohol trinkend) und gegen die gesetze (die abschiebung von unbescholtenen tschetschenen aus kärnten und die ortstafelfrage) ausübt und ausnützt. was sollen, anhand dieser aufzählung, statistiken und wahlanalysen uns sagen können? liegt die antwort nicht viel tiefer, irgendwo in unserem unbewussten begraben und bleibt sie nicht deswegen, auch wenn ottomeyer sehr treffende und erhellende psychologische analysen anstellt, auf grund ihrer natur unauffindbar?
besonders interessant wird es wenn ottomeyer des öfteren von dissoziation (prinzip der abspaltung von z.b. erinnerung) spricht. hier ein längeres zitat:
„um haider herum enstand eine eigentümlich verwirrte atmosphäre, wie wenn man es mit einer „multiplen persönlichkeit“ zu tun hat. eine multiple persönlichkeit hat in sich eine fülle von rollen und teilpersönlichkeiten, die einander nicht zu kennen scheinen. […] die arbeit der therapeutIn besteht darin, sie miteinander bekannt zu machen, damit ein gefühl der kohärenz, der ich-identität entsteht. der mensch mit einer multiplen persönlichkeit ist hochgradig „dissoziiert“ und switcht aufgrund bestimmter auslöse-reize von einer teilpersönlichkeit oder rolle in die andere. haider war wohl keine multiple persönlichkeit […], aber seine persönlichkeit war auffallend dissoziativ. er wirkte manchmal so, als würde er sich selbst nicht mehr kennen. er konnte in situationen jedesmal vollkommen „neu beginnen“ und vergessen, was er früher zu diesem oder jenem gesagt hatte. das interessante ist, dass auch seine gesprächspartner von diesem vergessen mitbetroffen waren. […] wenn haider sich gerade staatstragend gab, schienen die fremdenfeindlichen attacken von gestern wie verschwunden. wenn er einem gerade das gefühl gab, ein freund zu sein, war es, als hätten seine gemeinheiten gegenüber nahe stehenden personen auf einem anderen planeten stattgefunden. […] einige journalisten und autoren spezialisierten sich darauf, haiders „abgespaltene“, „vergessene“ äußerungen und handlungen einzusammeln und ihm nachzutragen. so als müssten sie die integrierende rolle der ich-identität für haider und sein publikum übernehmen. in einem gewissen sinn ist österreich mit zentrum kärnten durch die teilhabe an diesem dissoziativem spiel verrückt geworden. es ist ein bisschen wie in der geschichte vom wettlauf zwischen hase und igel. der hase musste in unserem fall nicht nur zwischen zwei igeln, sondern zwischen einem ganzen team von igeln hin und her laufen und verstand die welt nicht mehr. die verwirrung ließ viele sprachlos zurück.“
die geschichtslosigkeit seines tuns musste man ihm aber vorhalten. auch dazu wurde er immer wieder interviewt, ein teufelskreis, weil sich dadurch sein kompatibilität eben auch immer wieder bewiesen hat. natürlich braucht es dafür ein versagen von hochrangigen politikern ebenso, wie einen orf mit akuter beisshemmung. die ganze problematik mitsamt ihres fluchtcharakters von der realität wird vielleicht am besten mit dem audruck „ewig gestrig“ symbolisiert.
Sonntag, 5. April 2009
Zurück in die Bar
Mittwoch, 1. April 2009
dialog im dunkeln
der stammtisch ist ja nicht per se böse, sondern nur durch seine instrumentalisierung als rechter ort. rechte parteien kapern symbolische räume und machen sie dadurch unantastbar. stichwort: migrantInnenpolitik, kriminalität, asyl, strafgesetzgebung, populismus usw. es ist verständlich, dass dann da keiner auch nur anstreifen will, aber -apropos dialektik- unverständlich, dass man ihnen diese räume kampflos überlässt. wir sind gefangen in einer schwarzweiß dichotomie, einem entweder oder denken, das wie das kaninchen vor der schlange sitzt, erstarrt vor angst. das gesetz des handelns haben wir aber dadurch verloren, die großparteien sind so zum ausschließlichen reagieren und beäugen des gegners verdammt. man kann zum thema migration ja fast nichts mehr sagen ohne in dem rechten raum zu tappen, an dieser entwicklung sind die linken nicht ganz unschuldig. migration ist aber tatsache, ein bestandteil unseres täglichen lebens in österreich als einwanderungsland, ein so facettenreicher, wie interessanter, auch unter dem aspekt der bereicherung und vielfältigkeit zu betrachender themenkomplex. für migrantInnen keine politik machen zu wollen, hieße, machtpolitisch gesehen, freiwillig diesen bevölkerungsanteil als potentielle wählerschicht zu verlieren. quasi so als ab man sagen würde: vergiss die hackler, die beamten, die bauern, die frauen, wobei es die nicht gibt. die ausländer sind eine rechtspopulistische bombe, welche eine diskussion verunmöglicht. die besetzung des migrantenthemas durch rechte parteien gibt ihm erst seinen problembehafteten anstrich. wenn faymann erst auf zuruf der journalisten rechte sager zu diesem thema kommentiert, ist der raum bereits verloren. schön wäre, wenn politikerInnen von sich aus agieren würden. das wäre jetzt auch mein ansatz, aber wofür kriegen parteistrategen und politikberater eigentlich ihr geld?
von der ursprünglich dreiheit der fransösischen revolution – freiheit, gleichheit, brüderlichkeit, hat, wie hobsbawm es so schön formuliert, die linke die brüderlichkeit, also den gesellschaftlichen zusammenhalt, das gemeinwesen, genossenschaften, verbände und das eintreten für kollektive verbesserungen über jahrzehnte eingebüßt. diese räume, inklusive des ach so verpönten stammtisches gehören zurückerobert. aber flott!
Montag, 30. März 2009
scheißts auf den stammtisch
Der Weltgeist steckt momentan leider in einer Krise. Macht nichts. Wir könnten ja die Zeit, die wir dadurch gewinnen nicht ständig eine neue Investition mit tollen Renditen machen zu müssen, für andere Dinge verwenden. Nachdenken zum Beispiel. Ein schönes Hobby und billiger als Aktienspekulation. Integration, da könnten ein paar Gedanken nicht schaden. Kunst und Kulturpolitik, für die die es interessiert. Die Scheuchs und die anderen Witzfiguren haben dazu schon so ihre Ideen. Ganz so schlecht werden sie ja nicht sein, sonst würde ja mal einer aus den anderen Parteien aufstehen und schreien „sahst es komplett deppert“. Aus dem letzten Falter weiß ich, dass Strache bei Heldenplatz gebuht hat – oh Gott wie armselig und doch so viele Wähler.
Die viel zitierte Hoheit über die Stammtische: welche meinst du, die wo man schon 50 Jahre lang hört, dass unter Hitler nicht alles schlecht war oder die wo es heißt da Mossad hat den Haider die Bremschleich durchgschnitten. An diesen Stammtischen herrscht eine ganz besondere Form von Dummheit, die nicht auch noch umworben werden soll. Ich kann mich nicht hinstellen und Stammtischdummheiten in mein Parteiprogramm aufnehmen, um diese Wähler zu rekrutieren. Ich kann nicht Naziverbrechen unter den Teppich kehren um für diese Verbrecher wählbar zu sein. Das wird mir früher oder später auf den Kopf fallen.
Ich glaube es wählen mehr Menschen FPÖ und BZÖ, als sich wirklich für deren Ideen begeistern. Sie folgen eben der lautesten Sau die durch den Garten rennt (meine Lieblingsmetapher in letzter Zeit). Kein Wunder, wenn die anderen nichts zu bieten haben. Und zwar nicht nur nichts, was den Bauch anspricht, sondern viel schlimmer, auch nichts was den Kopf anspricht. Die meisten Wähler entscheiden nämlich damit. Immer noch
Mittwoch, 18. März 2009
was zur wahl steht
die fpö samt ihrer vorgängerpartei vdu ist jahrzehntelang bei wahlen zwischen 5 und 10% herumgedümpelt, auch weil nach 1945 övp und spö als auffangbecken für nationalsozialisten fungierten (das adjektiv ehemalig sollte in diesem zusammenhang vermieden werden). hat sich der rechte bodensatz vorher in anderen parteien ein demokratisches mäntelchen umhängen können und war als solches nicht sichtbar, so müssen wir jetzt eigentlich fpö und bzö dankbar sein, da sie uns die derzeitige politische lage ungefiltert 1:1 so widerspiegeln wie sie tatsächlich ist. das schöne an den rechten ist ja, dass sie aus gründen des populismus ihrer dummheit in anfällen von logorrhoe freien lauf lassen und quasi deckungsgleich mit ihren „thesen“ agieren. zum kotzen, ja, aber so ist es.
Sonntag, 15. März 2009
Ich bin kein Kärnter
Politik ist das nicht! Das ist ein Komposthaufen auf dem Ideen wie die Saualpe wachsen. Politik ist Probleme zu erkennen, sich damit auseinandersetzen, eine Entscheidung zu treffen und diese zum Wohl der Gemeinschaft umsetzeen. Die Partei, der ich das zutraue wird von mir gewählt, nicht der Grüßaugust, der mir meine gesicherte Pension verspricht. Ich bin kein Kärnter!
Wenn die Schmied zum Dichand rennt und fragt ob es eh ok ist wenn sie sich mit der GÖD anlegt, wird mir schlecht. Noch schlechter wird mir wenn ich daran denke, dass Strache bald mehr Stimmen bekommt als Haider und kotzen könnte ich sobald Faymann oder Pröll zu einer Ansprache ansetzen. Besser ist es danach aber auch nicht. Ginge es nach meiner Stimme, hätte keiner der Erwähnten ein Amt erreicht, aber zum Glück zählt meine Stimme ja auch nicht mehr als die der Trotteln und außerdem, "würden Wahlen etwas ändern, hätte man sie längst verboten" (W. Churchill)
Dienstag, 10. März 2009
wir alle sind kärnterInnen
- von 1945 bis 1989 durchgängig - die wahrscheinlich auch nicht weniger rechte - spö in kärnten am ruder war.
- bei nrwahlen die spö die fpö/das bzö in kärnten oft prozentual überrundet (2006: 35,4% spö, 25% bzö; 2002: 38,33% spö, 23,61% fpö; 1999: 35,72% spö, 38,62% fpö)
- haider zwar ein rechte, aber vollem eine stark personalisierte wahl war.
- haider hat sich als der bürgermeister von kärnten generiert, das sollten andere auch können, ohne gleich dumpfe vorurteile zu bedienen.
- österreich ist zwar grundsätzlich rechtskonservativ, aber nicht apriori ein volk von faschisten. ein faktum, welches sich radikalrechte parteien durch das mittel der verstärkung zunutze machen.
- haider mag ein politisches naturtalent gewesen sein, aber die gefahr ist aufgrund seines ablebens nicht gebannt. das dritte lage ist zusammengenommen so stark wie nie (28,2%) und ja, fpö und bzö haben genau dasselbe wählerspektrum.
- 2014 sind die nächsten landtagswahlen in kärnten: genug zeit um einen populären gegenkandidaten aufzubauen.
misik spricht in seiner dankesrede zur veleihung des staatspreises für kulturpublizistik über die "selbststilisierung der medienintellektuellen, die sich arrangiert haben mit der soundbitekultur, die sich einstmals vielleicht in den dienst einer sache gestellt hätten, und heute, in ermangelung einer sache, in den dienst ihres „ich" stellen.“ ich würde weiters einen grassierenden fatalismus konstatieren, der sich aufgrund seiner abgeklärtheit mit bestehendem ungemach abfindet, der aus den gleichen gründen, aus denen er sich seiner eigenen verantwortung enthebt, anderen diese nicht zutraut (obama ist auch nicht besser, wirst sehen...). die kehrseite der medaille ist übermächtig geworden, aber mit den nachträglichen vorwürfen der marke „ich habs dir eh gesagt“ werden wir schon fertig.
Montag, 16. Februar 2009
ein sturz ins leere
österreich leidet am liebsten an sich selbst und dieses masochistische leid, so scheint es, ist dem kritiker und der kritikerin antrieb und bremse in einem. sie können nicht kritisieren und zugleich zeigen, dass es auch anderes geht. insofern hat der österreicher schuh einen ganz und gar unösterreichischen text verfasst und fiel daraufhin prompt in ein loch: es ist doch niederschmetternd wie echolos diese seitenlange analyse im blätterwald verhallte! wo sind all die journalistInnen, medienmenschen, intellektuellen, studentInnen, kritische geister, all die autorInnen, philosophInnen, nachbarn und gedankenhaberInnen wenn es nur darum geht, einen scheit nachzulegen, die debatte am lodern zu halten? erzählt uns doch, dass dieser text scheiße ist, aber bitte vergesst nicht auch hinzuzufügen warum, fühlt euch doch bestätigt, whatever, aber macht es so, dass es der „gegenmeinung dabei hilft sinnvoll zu sein“.
ich würde ja nicht nur der krone, sonder auch dem falter eine „sozialpsychologische entlastungsfunktion“ zusprechen. da können sich die, die anders sind vergewissern, dass sie es auch sind. hierzulande ist die fallhöhe der meinungen außerordentlich hoch. vereinfacht gesagt ist es presse gegen standard, krone gegen falter oder falter gegen presse. dazwischen ist vakuum, ein sturz ins leere. in diesem schwarz und weiß definieren nicht nur wir uns als leser, sondern da scharen sich auch magnetisch die meinungen wie die mücken ums licht. zwischen den personifizierten lagern kann es dann logischerweise keinen übertritt geben, ja da wird nicht mal der finger zur messung der wassertemperatur des gegenüberliegenden beckens ausgestreckt. adorno hielt es unangemessen für eine/n intellektuelle/n in einer diskussion partout recht haben zu wollen. das freie mandat gehört aber überhaupt erst einmal angewandt. zugegeben: ohne risiko ist es nicht. wahrscheinlich bin ich der erste engstirnige, der sich aufregt und deswegen gleich sein abo kündigt. oder aber einen leserbrief schreibt.