Montag, 30. März 2009

scheißts auf den stammtisch

Im Churchill Zitat sehe ich nicht die Dichotomie Freie Wahlen – Diktatur, sondern eher einen spöttischen Hinweis auf das Angebot der Wahlmöglichkeiten. Egal wen ich wähle, der Weg auf dem wir alle gehen nennt sich Kapitalismus oder etwas moderner ausgedrückt Neoliberalismus. Wirtschaftlicher Fortschritt ist unser wahrer Weltgeist, in ihm kommen wir zum Ende der Geschichte. Wenn wir alle die 1500 Euro Verschrottungsprämie nehmen und uns einen neuen Mercedes kaufen ist die Welt in Ordnung. Darauf eine Brennesselsuppe der Frau Dörfler!
Der Weltgeist steckt momentan leider in einer Krise. Macht nichts. Wir könnten ja die Zeit, die wir dadurch gewinnen nicht ständig eine neue Investition mit tollen Renditen machen zu müssen, für andere Dinge verwenden. Nachdenken zum Beispiel. Ein schönes Hobby und billiger als Aktienspekulation. Integration, da könnten ein paar Gedanken nicht schaden. Kunst und Kulturpolitik, für die die es interessiert. Die Scheuchs und die anderen Witzfiguren haben dazu schon so ihre Ideen. Ganz so schlecht werden sie ja nicht sein, sonst würde ja mal einer aus den anderen Parteien aufstehen und schreien „sahst es komplett deppert“. Aus dem letzten Falter weiß ich, dass Strache bei Heldenplatz gebuht hat – oh Gott wie armselig und doch so viele Wähler.
Die viel zitierte Hoheit über die Stammtische: welche meinst du, die wo man schon 50 Jahre lang hört, dass unter Hitler nicht alles schlecht war oder die wo es heißt da Mossad hat den Haider die Bremschleich durchgschnitten. An diesen Stammtischen herrscht eine ganz besondere Form von Dummheit, die nicht auch noch umworben werden soll. Ich kann mich nicht hinstellen und Stammtischdummheiten in mein Parteiprogramm aufnehmen, um diese Wähler zu rekrutieren. Ich kann nicht Naziverbrechen unter den Teppich kehren um für diese Verbrecher wählbar zu sein. Das wird mir früher oder später auf den Kopf fallen.
Ich glaube es wählen mehr Menschen FPÖ und BZÖ, als sich wirklich für deren Ideen begeistern. Sie folgen eben der lautesten Sau die durch den Garten rennt (meine Lieblingsmetapher in letzter Zeit). Kein Wunder, wenn die anderen nichts zu bieten haben. Und zwar nicht nur nichts, was den Bauch anspricht, sondern viel schlimmer, auch nichts was den Kopf anspricht. Die meisten Wähler entscheiden nämlich damit. Immer noch

Mittwoch, 18. März 2009

was zur wahl steht

den spruch des alten churchill kann man nur unter undemokratisch und selbstgefällig einordnen, da diktaturen und totalitäre regime nicht umsonst zuallererst die wahlfreiheit einschränken (es gibt nur eine partei) oder gleich verbieten. im zuge des aufruhrs über den stermann u. grissemann sketch wurde uwe scheuch als unbeteiligter zu den grenzen von humor respektive kunst interviewt. der gab relativ freimütig zu, dass der „spaß“ da aufhört, wo er die kärnter volkseele verletzt. einen kanzler scheuch zu wählen, hieße also offenen auges einem kunstverbot zuzustimmen. auch gusenbauers wahlrechtsreform, die eine verlängerung der legislaturperiode von vier auf fünf jahre brachte, kann man leichten herzens als undemokratisch abstempeln, da sie (ab)wahlmöglichkeiten beschneidet und im gleichen atemzug die macht der herrschenden partei einzementiert. auch die hemdsärmelige schulterklopfpolitik gehört wieder eingeführt, will man die lufthoheit über den stammtischen nicht der fpö überlassen. populismus (populus=volk) in seiner ursprünglichen bedeutung steht ja auch für etwas durchaus positives, nämlich für protestbewegungen, die sich aus der bevölkerung (volk klingt irgendwie immer mies) herausschälten, sich mit dieser identifizierten und sich als ihr sprachrohr verstanden. in der sozialwissenschaft wurden mit populismus erstmals farmerbewegungen in den usa bezeichnet, die sich gegen das konzentrierte großkapital in new york city und für billigere kredite einsetzten. das problem heute dabei ist, dass diese bewegungen bewusst von außen initiiert und nachher instrumentalisiert werden. wir und vor allem die politikerInnen müssen uns/sich alle als kärnterInnen verstehen, wollen wir/sie etwas an der situation ändern. die wirkungsmächtigste theorie ist meiner ansicht nach die, die bei einem selbst ansetzt und deswegen noch am ehesten eine handlung nach sich zieht.

die fpö samt ihrer vorgängerpartei vdu ist jahrzehntelang bei wahlen zwischen 5 und 10% herumgedümpelt, auch weil nach 1945 övp und spö als auffangbecken für nationalsozialisten fungierten (das adjektiv ehemalig sollte in diesem zusammenhang vermieden werden). hat sich der rechte bodensatz vorher in anderen parteien ein demokratisches mäntelchen umhängen können und war als solches nicht sichtbar, so müssen wir jetzt eigentlich fpö und bzö dankbar sein, da sie uns die derzeitige politische lage ungefiltert 1:1 so widerspiegeln wie sie tatsächlich ist. das schöne an den rechten ist ja, dass sie aus gründen des populismus ihrer dummheit in anfällen von logorrhoe freien lauf lassen und quasi deckungsgleich mit ihren „thesen“ agieren. zum kotzen, ja, aber so ist es.

Sonntag, 15. März 2009

Ich bin kein Kärnter

Meine Reaktion auf die Kärntner Wahl variiert je nach Gemütslage zwischen drei Möglichkeiten. Die von dir angesprochene "Ois Trotteln" Sichtweise. Eine generell recht brauchbare Art den Alltag zu begreifen. Die "Nichts ist unbedeutender, als wer in Kärnten Landeshauptmann ist" Sichtweise. Und die, über die ich jetzt schreiben werde. Das Deutschnationale ist in Kärnten historisch verankert und psychologisch erklärbar. Den österreichischen Wähler, stört ein bisschen brauner Stallgeruch nicht. Den Kärntner schon gar nicht. Die Gründe dafür füllen Bücher, nicht dieses Posting. Zum Braunen Unterfutter kommt noch eine Portion Sozialismus der Art "da schau ma schon, dass'd lei di wohnbauförderung griagst". Nicht zuviel davon, schließlich darf die Leistung der Fleißigen und Anständigen nicht bestraft werden. So leicht geht das, egal ob orange, rot, schwarz oder sonstwie. Als Landeshauptmann tingelst du von Feuerwehrfest zu Kreiverkehreröffnung und klopfst auf die Schultern des braven Volks. Jörg Haider war ein Meister in dieser Disziplin. Pröll der Ältere kann das auch, Burgstaller hatte es offensichtlich nicht so drauf (kein Wunder als Frau) und der Dörfler wirds auch nicht so gut wie der Jörg machen. Vielleicht kommt die nächste Sau die durch den Garten rennt ja wieder von der SPÖ. Wer weiß, die Kärntner werden ihr folgen.
Politik ist das nicht! Das ist ein Komposthaufen auf dem Ideen wie die Saualpe wachsen. Politik ist Probleme zu erkennen, sich damit auseinandersetzen, eine Entscheidung zu treffen und diese zum Wohl der Gemeinschaft umsetzeen. Die Partei, der ich das zutraue wird von mir gewählt, nicht der Grüßaugust, der mir meine gesicherte Pension verspricht. Ich bin kein Kärnter!
Wenn die Schmied zum Dichand rennt und fragt ob es eh ok ist wenn sie sich mit der GÖD anlegt, wird mir schlecht. Noch schlechter wird mir wenn ich daran denke, dass Strache bald mehr Stimmen bekommt als Haider und kotzen könnte ich sobald Faymann oder Pröll zu einer Ansprache ansetzen. Besser ist es danach aber auch nicht. Ginge es nach meiner Stimme, hätte keiner der Erwähnten ein Amt erreicht, aber zum Glück zählt meine Stimme ja auch nicht mehr als die der Trotteln und außerdem, "würden Wahlen etwas ändern, hätte man sie längst verboten" (W. Churchill)

Dienstag, 10. März 2009

wir alle sind kärnterInnen

nach der wahl mehrten sich die kommentare und wortmeldungen zu der spezifischen situation in kärnten, welche uns als regionale absonderlichkeit, als geschichtlich gewachsen und so ganz und gar nicht vergleichbar mit dem österreichischen rest verkauft wurde. also nicht wien, sondern kärnten sei anders, so anders, dass wir es gar nicht verstehen können. ich gebe zu, die empathie mich in leute hineinzufühlen, die rechtsradikal wählen, hat mir immer schon gefehlt und 1999 nach der nrwahl mit den knappen 27% für die haiderfpö, bekam ich vor lauter geifer und fassungslosigkeit den mund nicht zu. der erregung folgte eine tiefe scham und da ich anschließend länger im ausland weilte, kam bald peinlichkeit und wut hinzu, ständig das wahlergebnis erklären und mich legitimieren zu müssen. aber damals war es nicht ein bundesland, sondern ganz österreich, das nach rechts schwenkte. erklärungsmuster nach der eh nicht unsympathischen mundl rethorik „des san ois trottln“ zementieren aber die position von fpö/bzö für immer und ewig ein. mich erinnert das stark an freunde, die erfüllt von abgeklärtheit von den nicht zu änderenden umständen stolz mit ihrem ungültigen wahlzettel in der luft herumfuchtelten oder proklamieren es gar nicht wert gefunden zu haben überhaupt zur wahl zu gehen. denen und die, die meinen, dass dies eben der brauner restsatz (was ja auch stimmt) sei und man das eben akzeptieren müsse (was nicht stimmt), sei mit platon gesagt: "diejenigen, die zu klug sind, um sich in der politik zu engagieren werden dadurch bestraft dass sie von leuten regiert werden, die dümmer sind als sie selbst.“ obwohl und gerade weil österreich von allen linken geistern verlassen ist, lohnt es sich etwas zu unternehmen weil:
  1. von 1945 bis 1989 durchgängig - die wahrscheinlich auch nicht weniger rechte - spö in kärnten am ruder war.
  2. bei nrwahlen die spö die fpö/das bzö in kärnten oft prozentual überrundet (2006: 35,4% spö, 25% bzö; 2002: 38,33% spö, 23,61% fpö; 1999: 35,72% spö, 38,62% fpö)
  3. haider zwar ein rechte, aber vollem eine stark personalisierte wahl war.
  4. haider hat sich als der bürgermeister von kärnten generiert, das sollten andere auch können, ohne gleich dumpfe vorurteile zu bedienen.
  5. österreich ist zwar grundsätzlich rechtskonservativ, aber nicht apriori ein volk von faschisten. ein faktum, welches sich radikalrechte parteien durch das mittel der verstärkung zunutze machen.
  6. haider mag ein politisches naturtalent gewesen sein, aber die gefahr ist aufgrund seines ablebens nicht gebannt. das dritte lage ist zusammengenommen so stark wie nie (28,2%) und ja, fpö und bzö haben genau dasselbe wählerspektrum.
  7. 2014 sind die nächsten landtagswahlen in kärnten: genug zeit um einen populären gegenkandidaten aufzubauen.

misik spricht in seiner dankesrede zur veleihung des staatspreises für kulturpublizistik über die "selbststilisierung der medienintellektuellen, die sich arrangiert haben mit der soundbitekultur, die sich einstmals vielleicht in den dienst einer sache gestellt hätten, und heute, in ermangelung einer sache, in den dienst ihres „ich" stellen.“ ich würde weiters einen grassierenden fatalismus konstatieren, der sich aufgrund seiner abgeklärtheit mit bestehendem ungemach abfindet, der aus den gleichen gründen, aus denen er sich seiner eigenen verantwortung enthebt, anderen diese nicht zutraut (obama ist auch nicht besser, wirst sehen...). die kehrseite der medaille ist übermächtig geworden, aber mit den nachträglichen vorwürfen der marke „ich habs dir eh gesagt“ werden wir schon fertig.