Dienstag, 10. März 2009

wir alle sind kärnterInnen

nach der wahl mehrten sich die kommentare und wortmeldungen zu der spezifischen situation in kärnten, welche uns als regionale absonderlichkeit, als geschichtlich gewachsen und so ganz und gar nicht vergleichbar mit dem österreichischen rest verkauft wurde. also nicht wien, sondern kärnten sei anders, so anders, dass wir es gar nicht verstehen können. ich gebe zu, die empathie mich in leute hineinzufühlen, die rechtsradikal wählen, hat mir immer schon gefehlt und 1999 nach der nrwahl mit den knappen 27% für die haiderfpö, bekam ich vor lauter geifer und fassungslosigkeit den mund nicht zu. der erregung folgte eine tiefe scham und da ich anschließend länger im ausland weilte, kam bald peinlichkeit und wut hinzu, ständig das wahlergebnis erklären und mich legitimieren zu müssen. aber damals war es nicht ein bundesland, sondern ganz österreich, das nach rechts schwenkte. erklärungsmuster nach der eh nicht unsympathischen mundl rethorik „des san ois trottln“ zementieren aber die position von fpö/bzö für immer und ewig ein. mich erinnert das stark an freunde, die erfüllt von abgeklärtheit von den nicht zu änderenden umständen stolz mit ihrem ungültigen wahlzettel in der luft herumfuchtelten oder proklamieren es gar nicht wert gefunden zu haben überhaupt zur wahl zu gehen. denen und die, die meinen, dass dies eben der brauner restsatz (was ja auch stimmt) sei und man das eben akzeptieren müsse (was nicht stimmt), sei mit platon gesagt: "diejenigen, die zu klug sind, um sich in der politik zu engagieren werden dadurch bestraft dass sie von leuten regiert werden, die dümmer sind als sie selbst.“ obwohl und gerade weil österreich von allen linken geistern verlassen ist, lohnt es sich etwas zu unternehmen weil:
  1. von 1945 bis 1989 durchgängig - die wahrscheinlich auch nicht weniger rechte - spö in kärnten am ruder war.
  2. bei nrwahlen die spö die fpö/das bzö in kärnten oft prozentual überrundet (2006: 35,4% spö, 25% bzö; 2002: 38,33% spö, 23,61% fpö; 1999: 35,72% spö, 38,62% fpö)
  3. haider zwar ein rechte, aber vollem eine stark personalisierte wahl war.
  4. haider hat sich als der bürgermeister von kärnten generiert, das sollten andere auch können, ohne gleich dumpfe vorurteile zu bedienen.
  5. österreich ist zwar grundsätzlich rechtskonservativ, aber nicht apriori ein volk von faschisten. ein faktum, welches sich radikalrechte parteien durch das mittel der verstärkung zunutze machen.
  6. haider mag ein politisches naturtalent gewesen sein, aber die gefahr ist aufgrund seines ablebens nicht gebannt. das dritte lage ist zusammengenommen so stark wie nie (28,2%) und ja, fpö und bzö haben genau dasselbe wählerspektrum.
  7. 2014 sind die nächsten landtagswahlen in kärnten: genug zeit um einen populären gegenkandidaten aufzubauen.

misik spricht in seiner dankesrede zur veleihung des staatspreises für kulturpublizistik über die "selbststilisierung der medienintellektuellen, die sich arrangiert haben mit der soundbitekultur, die sich einstmals vielleicht in den dienst einer sache gestellt hätten, und heute, in ermangelung einer sache, in den dienst ihres „ich" stellen.“ ich würde weiters einen grassierenden fatalismus konstatieren, der sich aufgrund seiner abgeklärtheit mit bestehendem ungemach abfindet, der aus den gleichen gründen, aus denen er sich seiner eigenen verantwortung enthebt, anderen diese nicht zutraut (obama ist auch nicht besser, wirst sehen...). die kehrseite der medaille ist übermächtig geworden, aber mit den nachträglichen vorwürfen der marke „ich habs dir eh gesagt“ werden wir schon fertig.

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