Natürlich war unser Kanzler der Erste, der Onkel Hans zum 50er der Krone ein Ständchen via APA Interview sang. Auf Prölls Loblied müssen wir sicher auch nicht lange warten. Eh keine Überraschung, aber irgendwie passt es ganz gut zur Stammtischthematik. Wenn Faymann sagt, er widmet den Leserbriefen bei Lektüre der Kronenzeitung besondere Aufmerksamkeit, ist das ja nicht a priori zu verurteilen. Es könnte ja Teil einer Strategie sein, dem gemeinen Volk aufs Maul schauen, die Probleme der kleinen Leute erfahren, die Probleme der Kroneleserschaft erfahren, um darauf die richtigen Antworten zu geben. Die Hoheit über die Stammtische so zurückgewinnen. Reine Illustion, man wird den Leserbriefschreibern nach dem Mund reden und wieder nur der Schmiedl sein, auch wenn ihnen Dichand persönlich den Hintern pudert.
Meinem Widerspruch bin ich mir deutlich bewußt, und die Annahme mit der ich versuche ihn hier auszuräumen entspricht eher einem Wunschdenken als konkreter Erfahrung. Ich glaube in schwierigen Zeiten oder bei wichtigen Entscheidungen verläßt sich der Wähler eher auf sein Hirn als auf seinen Bauch, siehe EU-Beitritt. Das läuft zwar die Ois-Trotteln These zuwieder, würde aber doch das Leben in Wohlstand und Freiheit in Europa der letzten 50 Jahre erklären. Die Politik oder besser die Parteien muten aber dem Wähler diese Entscheidungen nicht mehr zu. Abgezielt wird auf den Bauch und auf das Gefühl. Die Medien tragen das ihre dazu bei. Die Asyldebatte reduziert sich auf das liebe Gesicht der Arigona Zogaj. Ich weiß, folgende These ist einseitig und vereinfachend, aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Politik und die Medien degenerieren den Wähler zum hirnlosen Stimmvieh dem blaue Augen oder rote Aktentaschen wichitger sind als wirkliche Inhalte. Mit solchen Sachen beschäftigen sich wahrscheinlich Politikerberater.
Das symbolische Erobern von Räumen durch die rechten Parteien macht das Betreten dieser für die Anderen anscheinend unmöglich. Es ist, als würde man in eine Bar nicht mehr gehen, weil einem die Leute darin nicht gefallen. Warum man dann vorm Eingang steht, und versucht mitzugröhlen kann ich nicht beantworten. Wenn man Durst hat, wird einem aber irgendwann nichts mehr anderes übrig bleiben als wieder hinein zu gehen. Diesen Weg sollten SPÖ und ÖVP aber wagen solange sie noch kräftig sind und nicht erst halb verdurstet.
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